Drei Pirates im Zebrabowl

23.08.2015

Familie Steiner gewinnt mit den bayerischen Schiedsrichtern im Charity-Event in Wien

Sie sind fester Bestandteil jedes Footballspiels, sind allerdings stets bemüht eigentlich nicht aufzufallen. Die Rede ist von den bis zu sieben Schiedsrichtern im American Football. Am vergangenen Samstag begaben sich die bayerischen Schiedsrichter auf einen ganz besonderen Betriebsausflug. Die österreichischen Kollegen veranstalteten bereits zum achten Mal den sogenannten Zebrabowl, ein Charity-Spiel, das nach der regulären Saison von den Referees ausgerichtet wird und zu dem Kollegen und Freunde eingeladen werden. In diesem Jahr wurden die Schiedsrichter des AFSVBY als Gegner in das österreichische Footballleistungszentrum in die Ravelinstraße in Wien eingeladen.

Für die bayerischen Offiziellen hieß das, zum Teil bereits um halb vier früh die Reise in Richtung Wien anzutreten. Organisator auf Seite der „Angry Zebras“ war mit Oliver Wahl ein international erprobter Schiedsrichter. Bereits im Bus gab es die extra angefertigten Poloshirts und den ersten Blick auf das von Michael „Matschi“ Matschinger designte Zebratrikot. Ab Passau hatte Coach Martinez dann endlich das gesamte Team an Bord. 35 Spieler aus 19 bayerischen Footballvereinen und fast alle mit gültiger Schiedsrichterlizenz machten sich auf die letzte Etappe.

Darunter auch Markus, Nico und Leon Steiner von den Passau Pirates. Markus und Leon sind beide Vereinsschiedsrichter der DJK Eintracht und Nico war der erste Jugendspieler der Pirates und spielt seit seinem Studium in Graz bei den dortigen Giants. Doppelter Grund für ihn also bei diesem speziellen Event dabei zu sein: „Nach nunmehr zwei Jahren in Österreich kenne ich natürlich mittlerweile auch einige der österreichischen Schiedsrichter. Außerdem war es wahrscheinlich die einzige Chance für unsere Familie noch einmal gemeinsam auf dem Feld zu stehen. Alles in Allem war es ein riesen Spaß!“. Für seinen Bruder Leon war es voraussichtlich das einzige Tackle-Footballspiel, das er als aktiver Spieler erleben durfte. Gesundheitliche Gründe zwingen den Schüler nicht in die Fußstapfen seines Vaters und Bruders zu treten. Dafür stand er in diesem Jahr schon mehrmals an der Seite seines Vaters als Schiedsrichter auf dem Feld und wollte sich diese einmalige Chance nicht entgehen lassen. Für Familienoberhaupt Markus „Stanly“ Steiner dürfte es ebenfalls das letzte Spiel in Ausrüstung gewesen sein. Nach 25 Jahren Football hängt er die Pads nun endgültig in den Schrank und wird sich dem Sport künftig nur noch als Schiedsrichter widmen: „Leider wird man ja nicht jünger und Football ist ein Kontaktsport. Das bedeutet, dass die Regenerationsphase einfach immer länger wird. Als Schiedsrichter hat man zum Einen die Möglichkeit seinem Sport treu zu bleiben und auch seine Erfahrungen weiter zu geben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man als Referee auch für die Gesundheit der Spieler Mitverantwortung trägt indem man gefährliche Situationen unterbindet und deeskalierend eingreifen kann, wenn Spieler unter dem Adrenalinschub „überhitzen“!“.

Dies war in Wien auch die Hauptschwierigkeit für die Laienschiedsrichter in dem Charityspiel, die in einigen Situationen mehr als überfordert wirkten. Unter der Leitung von Offensecoordinator David Martinez von den Nürnberg Rams und Defensecoach Jens Löschke von den Erlangen Sharks gelang es den bayerischen Schiedsrichtern dennoch das Spiel mit 32:14 für sich zu entscheiden. „Wir sind hierher gefahren um Spaß zu haben und nicht um zu verlieren.“, machte Coach Martinez schon vor dem Spiel deutlich. Mit den Quarterbacks Luca Daumenlang von den Rams und Miro Rosinski von den Starnberg Argonauts gelang dies auch.

Nach den ersten beiden Vierteln lag man noch knapp mit 20:14 in Front, doch in der zweiten Hälfte ließ die Defense um die Veteranen Oliver Wahl und Eric Summner, beides GFL-Schiedsrichter, die die aktive Karriere bereits vor Jahren beendet haben, keine weiteren Punkte mehr zu. Nils Ballmann von den Sharks und Felix List von den Franken Timberwolves schraubten das Ergebnis für die Bayern dann noch weiter nach oben.

Das Wichtigste an diesem schönen Spätsommernachmittag war aber neben dem Spaß eben auch der gute Zweck. Über 4.000,- € an Spendengeldern konnte Hauptorganisator Zoran Tadic von den österreichischen Schiedsrichtern der Hilfsorganisation „die Möwe“ übergeben. Mit einem entspannten Grillabend und dem einen oder anderen Bier ließen die Akteure den Abend gemütlich ausklingen ehe es dann wieder stundenlang in Richtung Heimat ging. Ein rundum gelungener Betriebsausflug, der vor allem auch das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bayerischen Refereezunft weiter gestärkt hat.